rezensionen (xv)

Donnerstag, 26. März 2009 | 18:52 Uhr

“kafka am strand” von haruki murakami

41CFG8ADQ6L. SL160  rezensionen (xv) rezensionen (xv)murakami. damit ist das wesentliche über den “kafka am strand” gesagt. auch diesen roman hat er in seiner ganz spezifischen form des magischen realismus gestaltet und er erzeugt wie so viele seiner anderen bücher einen echten sog. gekonnt changiert er wieder zwischen realistischen und mystischen passagen wie auch verschiedenen handlungssträngen, die erst spät zusammen geführt werden. kranke brutalität (die nebenbei gesagt das niveau der häutungsszene aus “mister aufziehvogel” glatt erreicht) steht neben großer zärtlichkeit. mit seinem großen facettenreichtum passt sich “kafka am strand” somit wunderbar Œuvre des japaners ein.

im zentrum steht diesmal der fünfzehnjährige kafka tamura, der beschließt aus seinem tokioter zuhause auszureißen. mit auf den weg nehmen muss er eine ödipale prophezeiung seines vaters, nach der er seinen vater umbringen und sowohl mit seiner mutter und der älteren schwester schlafen wird. die beiden haben ihn und seinen vater früh verlassen, weswegen er sich sie kaum erinnern kann. seine reise führt ihn schließlich in die komura-gedächtnisbibliothek, wo er u.a. auf die 50jährige saeki trifft, in der er bald seine mutter zu erkennen glaubt. schließlich erwacht er blutüberströmt in einem gebüsch auf  – ohne erinnerung daran, was geschehen ist. und er muss erfahren, dass sein vater zeitgleich ermordet wurde.

in einem zweiten handlungsstrang wird über den behinderten nakata berichtet, der durch ein mystisches ereignis wesentliche geistige fähigkeiten verloren, dafür aber auch andere gewonnen hat. er verdient etwas geld mit der suche nach verschwundenen katzen und tötet schließlich den katzenmörder johnny walker. daraufhin begibt sich auch nakata auf die reise und landet in der selben stadt wie kafka. während sich für diesen teile seiner prophezeiung erfüllen, sucht nakata den gemeimnisvollen eingangsstein, um ein tor in einer andere welt zu öffnen und verschiedene dinge zu richten… letztlich verweben sich beide handlungsstränge zusehens ineinander, auch wenn es keine umfassende “auflösung” gibt. diese ist wieder einmal dem oder der lesenden überlassen. was wieder einmal kein manko ist. (8/10)

rezensionen (xiv)

Sonntag, 22. Februar 2009 | 18:29 Uhr

“wem die stunde schlägt” von ernest hemingway

5170A5H7ZDL. SL160  rezensionen (xiv) rezensionen (xiv)blut. schnee. wald. erde.  in der geschichte über die letzten tage des guerilla-kämpfers robert jordan kann man all dies förmlich fühlen. gar riechen. auch wenn man unter der heimischen bettdecke vergraben liegt. “wem die stunde schlägt” ist ein ungemein physischer roman über den spanieschen bürgerkrieg, in dem hemingway auch seine eigene biographie verarbeitet. robert jordan hat die aufgabe eine brücke zu sprengen sobald die repulikanische offensive beginnt. dabei kann er auf die mithilfe eines kleinen guerrilatrupps zählen, doch dessen vermeintlicher anführer pablo steht dem vorhaben skeptisch gegenüber und bringt die mission fast zum scheitern. zugleich entbrennt eine große liebe zwischen jordan und der partisanin maria, die der geschichte weitere facetten gibt.

hemingway beschreibt im wesentlichen die vorbereitungen der gruppe und die sozialen spannungen unten den protagonisten. durch die sehr einfach gehaltene sprache gelingt es ihm sehr nah am geschehen zu schreiben und ein sehr klares bild der verhältnisse zu zeichnen. seine sätze entfalten eine ungeheure kraft wenn es darum geht die konkreten ereignisse zu beschreiben und erfahrbar zu machen. die enthaltene brutalität tut ihr übriges, und so vermag die geschichte fraglos einen in ihren bann zu ziehen. man ist beeindruckt, immer wieder schockiert. man hat das gefühl große literatur in den händen zu halten.

andererseits erlaubt der häufige wechsel der perspektive den lesenden keine klare identifikation und so bleiben die charaktere seltsam entfernt, auch nach 3 langen tagen noch irgendwie fremd. dies schlägt sich auf den roman insgesamt nieder, der lange zeit nicht die große sucht hervorruft, wie es wirklich große bücher eigentlich vermögen. sicherlich, “wem die stunde schlägt” ist kein roman zum wohlfühlen. aber daran liegt es  nicht, dass hemingway die letzte begeisterung nicht erzeugen kann. im gegenteil.  (8/10)

rezensionen (xiii)

Sonntag, 11. Januar 2009 | 16:03 Uhr

“lushins verteidiung” von vladimir nabokov

41SAK9QTQML. SL160  rezensionen (xiii) rezensionen (xiii)gute belletristische schachliteratur ist selten. zwar wird in der literatur mit dem königlichen spiel nicht derart viel schindluder getrieben, wie allzu oft in spielfilmen.schon viel zu oft musste ich mich darüber ärgern, dass ein kommissar eine schachpartie spielt, dabei drei kryptische auf das schachspiel bezogene sätze mit seinem gegenüber wechselt nebenbei einen mordfall löst, während die stellung auf dem brett von den regeln des schachspiel ausgeschlossen ist – oder zumindest wenig sinn ergibt. hier ist der vorteil der geschrieben geschichte, dass derlei fehler zumindest nicht zu “sehen” sind. und doch erreicht kaum ein werk die qualität der bekannten “schachnovelle” von stephan zweig. trotz einiger paralellen auch “lushins verteidigung” nicht.

doch zeigt das werk keine schachlichen schwächen und zeichnet ein beeindruckendes psychogramm des geisteskranken genies lushin. dieser außenseiter entdeckt in seiner jugend und zum glück für alle beteiligten das schachspiel, entwickelt sich schnell zum wunderkind und großmeister, und darf schließlich mit 30 davon träumen, den weltmeister herauszufordern. kurz vor dem ziel retten ihn aber nur noch die psychatrie und seine frau – und auch die nur fürs erste, wie sich später zeigt.

die stärke des buches liegt sicher in der eindrucksvollen sprache des autors, die ihresgleichen sucht. doch bei aller sprachgewalt, tragikomik und sinnstiftenden schacheinlagen vermag mich die geschichte nicht bis ins letzte zu fesseln. letztlich ist vielleicht das motiv eines genies, das in der wirklichen welt nicht klar kommt, heute ein zu abgegriffenes. dann immerhin läge das problem ausschließlich beim leser: nabokov schrieb den roman bereits 1929, sogar zehn jahre vor zweigs “schachnovelle”. (7/10)

rezensionen (xii)

Freitag, 31. Oktober 2008 | 22:54 Uhr

“somebody outside” von anna ternheim

519Z1KDK7WL. SL160  rezensionen (xii)es ist selten geworden. so richtig selten. in den letzten monaten ist es aber hin und wieder passiert: ich habe – statt der üblichen mp3-files – eine echte compact disc (cd) gehört. und zwar das album “somebody outside” von anna ternheim. ich bekam die cd zum geburtstag geschenkt und mittlerweile kenn ich sie so gut, dass sie hier eine kleine würdigung erfahren soll.

anna ternheim, die mir bis dato völlig unbekannt war, ist eine schwedische singer-songwriterin und “somebody outside” ihr debutalbum aus dem jahr 2004. und noch vor dem ersten hören war sie mir aufgrund der covergestaltung gleich sympathisch: in der dämmerung vor einem see gibt sie sich düster, ihr gesicht ist völlig im dunkel verschwunden, während ihre umrisse klar sind und das haar sogar funkelt. innern sind nur einige dezente schwarz-weiss-fotos und die songtexte abgedruckt.

das album beherbergt dementsprechend zehn stücke, die wahrlich nicht zum mitschunkeln gemacht sind. meist eher leise und intensive lieder bringt anna vor, mit einer feinen prise düsternis. mit ihrer unverwechselbaren stimme gelingt ihr durchaus sowas wie ein eigener, sehr angenehmer stil. doch auch wenn ich das album jetzt seit monaten immer mal wieder höre, will es mich doch nicht völlig begeistern. es ist gut, keine frage. es nervt nicht. es kann stundenlang im hintergrund laufen. und immer wieder auch im vordergrund. und doch springt der funke nur selten über. es gibt kein wirklich schlechtes stück auf der platte. mit “i’ll follow you tonight”, “i say no” und “shoreline” sind ihr sogar wirklich großartige stücke gelungen. und doch, in seiner gesamtheit packt einen “somebody outside” doch nicht genug. es ist eine echte perle im meer der singer-songwritermusik. aber eben doch nicht die schönste.

andererseits ist das album interesant genug, um auch die beiden nachfolger “separation road” und “leaving on mayday” mal hinein zu hören. wenn sie mir also jemand schenken mag: nur zu! ;-) für “somebody outside” ergeht jedenfalls ein herzlicher dank an die skatrunde. (7/10)

rezensionen (xi)

Samstag, 18. Oktober 2008 | 19:34 Uhr

“after dark” von haruki murakami

41ZwyRXVjFL. SL160  rezensionen (xi)

after dark ist klassischer murakami-roman. gekonnt zwischen realität und traum changierend beschreibt die erzählung die ereignisse einer einzigen nacht in tokio. da ist mari, die eher ziellos umherirrt und zwischen diversen restaurant und kneipen in die unangenehmen geschehnisse in einem love hotel hinein gezogen wird. außerdem ihre schwester eri, die vor langer zeit in einen tiefen, komatösen schlaf gefallen ist. schließlich ein jazzmusiker, eine prostituierte und ein programmierer. wie auch in anderen seiner bücher stellt murakami wieder verlorene seelen in den mittelpunkt, deren geschichten miteinander mehr oder weniger eng verflochten sind. dabei gelingt es ihm wieder einmal durch seine ihm eigenen stilmittel – v.a. die regelmäßige erwähnung der hintergrundmusik und den wechsel ins bizarr-traumhafte – eine  intensiv-melancholische atmosphäre aufzubauen, die dennoch nie langweilig wird.

zugegeben, man könnte auch murakami den vorwurf der belanglosigkeit machen. doch im gegensatz zu kehlmanns “vermessung” bietet murakami zumindest anhaltspunkte für die sinnsuche. man hat ständig das gefühl auf der spur zu sein, wenn es auch eine endlose spur ist. in “after dark” gibt es – wie in den anderen mir bekannten romanen von ihm – am ende keine große “auflösung”. doch gerade das ist bei murkami auch nicht vonnöten. im gegenteil, auflösungen würden die von ihm geschaffenen welten entweihen. und das will zumindest ich auf keinen fall. (9/10)

sommer, sonne, sonnenschein

Samstag, 27. September 2008 | 22:28 Uhr

… zieh ich mir furchtbar gerne rein! und zwar ab morgen früh! in portugal! für zwei wochen! :-)

ja, ich mache urlaub. und schreibe nicht an der diss. wie überhaupt die letzten wochen nicht.  konsequenterweise haben mich einige auch darauf angesprochen, dass hier ja gar nichts über meinen fortschritt in der “angelegenheit” zu lesen ist. womit schon mal bewiesen wäre, dass dieses blog hier einen teil seines zwecks erfüllt.

also, ich gelobe besserung. nach meinem urlaub bin ich erholt und voller tatendrang! und werde hier mindestens wöchentlich berichten. das kommende semester müsste auch eher ruhig werden, ich bin aus allen gremien der akademischen selbstverwaltung ausgeschieden (hurra!). neben der obligatorischen umsetzung von vorstellungen meiner chefin steht eigentlich nur mal wieder ein proseminar für erstsemester an, dass jeden montag zu gestalten ist. aber da müsste genug zeit bleiben, um kontinuierlich auch die andere “sache” voran zu treiben. wenn hier nicht berichtet wird? rügen! gerne öffentlich!

rezensionen (x)

Mittwoch, 10. September 2008 | 22:55 Uhr

“die vermessung der welt” von daniel kehlmann

51RnDSPmVNL. SL160  rezensionen (x) rezensionen (x)zwei wissenschaftler, der mathematiker carl friedrich gauß (1777–1855) und der naturforscher alexander von humboldt (1769–1859), sind die zentralen figuren dieses von der kritik gefeierten und millionenfach verkauften romans. beide versuchen sich auf ihre art an der vermessung der welt: humboldt reist durch die welt und besteht allerlei abenteuer, gauß will aus göttingen am liebsten gar nicht raus und hat dennoch den ein oder anderen richtig schlauen gedanken. die durchgehend süffisant-ironische erzählweise macht die doppel-biographische erzählung dabei zu einem kurzweiligen lesevergnügen. subtil, oft witzig und auch in ernsten passagen ungewöhnlich leicht klingend ist “die vermessung” durchweg gelungen. gleichwohl kann ich mich nur bedingt mit dem buch anfreunden, da es letztlich auch ein stück weit belanglos bleibt. es ist l’art pour l’art – im positiven, aber auch im negativen sinne. und ich finde, ein gutes buch darf ruhig auch mal weh tun. (6/10)

rezensionen (ix)

Mittwoch, 27. August 2008 | 16:18 Uhr

flight 93 (usa 2006)flightneundrei rezensionen (ix)

irgendwie ist mir dieser katastrophen-streifen letztens vor die augen gekommen. vielleicht war es ein impuls nach der flugzeugkatastrophe von madrid (20. august). kurz zusammengefasst zeigt der film die geschehnisse an bord des fluges ua 93, einer am 11. september 2001 in den usa entführten boeing 757. das flugzeug sollte wohl ebenfalls in ein ausgesuchtes ziel – das weisse haus? – gestürzt werden. wie realistisch die darstellung der geschehnisse ist, lässt sich schwer beurteilen. es gelingt regisseur peter markle jedenfalls durchaus eine halbwegs fesselnde atmosphäre zu erschaffen. aber den film als “aufwühlend” oder “packend” zu beschreiben, das entbehrt dann doch jeder grundlage.
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rezensionen (viii)

Dienstag, 19. August 2008 | 13:17 Uhr

downloading nancy (usa 2007)nancy rezensionen (viii)

dieser film ist verstörend. trostlos. und das bis ins letzte. nancy lebt seit 15 jahren mit albert in einer ehe ohne jegliche wärme. und nachdem albert selbst deutlichste warnzeichen wie zerritzte arme ignoriert, zerbricht nancy nach und nach daran. nur physische schmerzen bringen ihr noch befriedigung, und was für den zuschauer zunächst noch nach einem borderline-syndrom aussieht, entpuppt sich als weit jenseits davon. einzig ihr sm-partner louis, den sie über das internet kennenlernt, bringt verständnis für ihre wünsche auf. und das bis zum finale, einer mischung aus erlösung, liebe und dennoch völliger trostlosigkeit.

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rezensionen (vii)

Sonntag, 17. August 2008 | 19:26 Uhr

“wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede” von haruki murakami

41L97LnMdhL. SL160  rezensionen (vii)der wohl aktuell bedeutendste japanische schriftsteller, haruki murakami, hat mittlerweile auch in deutsch zahlreiche romane veröffentlicht. sein neuestes buch ist aber kein roman, sondern eher eine aufsatzsammlung über seine zweite große leidenschaft neben dem schreiben: das laufen. zahlreiche absolvierte marathonläufe, sogar ein ultra-marathon über 100km und mehrere triathlonwettkämpfe zeugen von der ernsthaftigkeit und bedeutung des laufens für murakami. daher ist dieses buch zuvorderst ein buch über ihn selbst – murakami plädiert selbst sogar für den begriff “lebenserinnerungen” (S. 161). bei der lektüre des buches erfährt man nicht nur einiges über seine läufe und die zugrundeliegende intention, sondern auch viel über ihn und seine schriftstellerei. letztlich ist das kurzweilig und durchaus interessant, unter zwei voraussetzungen: 1. man kann sich in die situation des langstreckenlaufens zumindest hineinversetzen. 2. man interessiert sich für die person haruki murakami. auf mich trifft beides zu, daher habe ich es gerne gelesen. andernfalls dürfte das buch aber nicht weiter von belang sein. (7/10)