rezensionen (iv)
“von dieben und denunzianten” (bd. 1+2) von jean-pierre gibrat

die junge kommunistin jeanne wird 1944 im besetzten frankreich denunziert. dank eines gewieften diebes in derselben zelle gelingt ihr die flucht und eine spannende geschichte nimmt ihren anfang…
getragen von großer zeichenkunst und vortrefflichen dialogen ist gibrat ein exzellenter comic gelungen. durch viel liebe zum detail und eine kombination von mehrheitlich gedeckten, warmen farben mit vereinzelten leuchtenden elementen entsteht eine ungemein dichte atmosphäre. insbesondere die größeren zeichnungen haben eine beinahe ergreifende intensität. und es besteht kein zweifel, dass gibrat vor allem in die hauptfigur sehr viel herzblut gesteckt hat – man ist schon nach wenigen seiten verliebt in sie. da auch die dialoge durchweg ein hohes niveau aufweisen, fehlt nicht viel zum perfekten comic.
einzig die erzählte geschichte ist nicht vollständig ausgewogen. der erste band erzählt die geschichte sehr bedächtig und beinahe kleinschrittig, ohne dabei langweilig zu sein. die beziehungen zwischen den figuren werden behutsam entwickelt und die geschehnisse ausgebreitet. da “von dieben und denunzianten” aber von beginn an auf zwei bände angelegt war, musste gibrat im zweiten band den ganzen rest der geschichte unterbringen. das tempo ist höher, die sprünge sind größer. so befinden sich die beiden bände in einer leichten erzählerischen disbalance, was den lesegenuss kaum schmälert, aber dennoch mit der zeit auffällt. ein ausgewogenes erzähltempo – oder am besten gleich die anlage über drei bände – hätten das werk noch brillanter gemacht. (8/10)





