rezensionen (xi)
“after dark” von haruki murakami
after dark ist klassischer murakami-roman. gekonnt zwischen realität und traum changierend beschreibt die erzählung die ereignisse einer einzigen nacht in tokio. da ist mari, die eher ziellos umherirrt und zwischen diversen restaurant und kneipen in die unangenehmen geschehnisse in einem love hotel hinein gezogen wird. außerdem ihre schwester eri, die vor langer zeit in einen tiefen, komatösen schlaf gefallen ist. schließlich ein jazzmusiker, eine prostituierte und ein programmierer. wie auch in anderen seiner bücher stellt murakami wieder verlorene seelen in den mittelpunkt, deren geschichten miteinander mehr oder weniger eng verflochten sind. dabei gelingt es ihm wieder einmal durch seine ihm eigenen stilmittel – v.a. die regelmäßige erwähnung der hintergrundmusik und den wechsel ins bizarr-traumhafte – eine intensiv-melancholische atmosphäre aufzubauen, die dennoch nie langweilig wird.
zugegeben, man könnte auch murakami den vorwurf der belanglosigkeit machen. doch im gegensatz zu kehlmanns “vermessung” bietet murakami zumindest anhaltspunkte für die sinnsuche. man hat ständig das gefühl auf der spur zu sein, wenn es auch eine endlose spur ist. in “after dark” gibt es – wie in den anderen mir bekannten romanen von ihm – am ende keine große “auflösung”. doch gerade das ist bei murkami auch nicht vonnöten. im gegenteil, auflösungen würden die von ihm geschaffenen welten entweihen. und das will zumindest ich auf keinen fall. (9/10)






