rezensionen (xiii)
“lushins verteidiung” von vladimir nabokov

gute belletristische schachliteratur ist selten. zwar wird in der literatur mit dem königlichen spiel nicht derart viel schindluder getrieben, wie allzu oft in spielfilmen.schon viel zu oft musste ich mich darüber ärgern, dass ein kommissar eine schachpartie spielt, dabei drei kryptische auf das schachspiel bezogene sätze mit seinem gegenüber wechselt nebenbei einen mordfall löst, während die stellung auf dem brett von den regeln des schachspiel ausgeschlossen ist – oder zumindest wenig sinn ergibt. hier ist der vorteil der geschrieben geschichte, dass derlei fehler zumindest nicht zu “sehen” sind. und doch erreicht kaum ein werk die qualität der bekannten “schachnovelle” von stephan zweig. trotz einiger paralellen auch “lushins verteidigung” nicht.
doch zeigt das werk keine schachlichen schwächen und zeichnet ein beeindruckendes psychogramm des geisteskranken genies lushin. dieser außenseiter entdeckt in seiner jugend und zum glück für alle beteiligten das schachspiel, entwickelt sich schnell zum wunderkind und großmeister, und darf schließlich mit 30 davon träumen, den weltmeister herauszufordern. kurz vor dem ziel retten ihn aber nur noch die psychatrie und seine frau – und auch die nur fürs erste, wie sich später zeigt.
die stärke des buches liegt sicher in der eindrucksvollen sprache des autors, die ihresgleichen sucht. doch bei aller sprachgewalt, tragikomik und sinnstiftenden schacheinlagen vermag mich die geschichte nicht bis ins letzte zu fesseln. letztlich ist vielleicht das motiv eines genies, das in der wirklichen welt nicht klar kommt, heute ein zu abgegriffenes. dann immerhin läge das problem ausschließlich beim leser: nabokov schrieb den roman bereits 1929, sogar zehn jahre vor zweigs “schachnovelle”. (7/10)





