rezensionen (xiv)
“wem die stunde schlägt” von ernest hemingway

blut. schnee. wald. erde. in der geschichte über die letzten tage des guerilla-kämpfers robert jordan kann man all dies förmlich fühlen. gar riechen. auch wenn man unter der heimischen bettdecke vergraben liegt. “wem die stunde schlägt” ist ein ungemein physischer roman über den spanieschen bürgerkrieg, in dem hemingway auch seine eigene biographie verarbeitet. robert jordan hat die aufgabe eine brücke zu sprengen sobald die repulikanische offensive beginnt. dabei kann er auf die mithilfe eines kleinen guerrilatrupps zählen, doch dessen vermeintlicher anführer pablo steht dem vorhaben skeptisch gegenüber und bringt die mission fast zum scheitern. zugleich entbrennt eine große liebe zwischen jordan und der partisanin maria, die der geschichte weitere facetten gibt.
hemingway beschreibt im wesentlichen die vorbereitungen der gruppe und die sozialen spannungen unten den protagonisten. durch die sehr einfach gehaltene sprache gelingt es ihm sehr nah am geschehen zu schreiben und ein sehr klares bild der verhältnisse zu zeichnen. seine sätze entfalten eine ungeheure kraft wenn es darum geht die konkreten ereignisse zu beschreiben und erfahrbar zu machen. die enthaltene brutalität tut ihr übriges, und so vermag die geschichte fraglos einen in ihren bann zu ziehen. man ist beeindruckt, immer wieder schockiert. man hat das gefühl große literatur in den händen zu halten.
andererseits erlaubt der häufige wechsel der perspektive den lesenden keine klare identifikation und so bleiben die charaktere seltsam entfernt, auch nach 3 langen tagen noch irgendwie fremd. dies schlägt sich auf den roman insgesamt nieder, der lange zeit nicht die große sucht hervorruft, wie es wirklich große bücher eigentlich vermögen. sicherlich, “wem die stunde schlägt” ist kein roman zum wohlfühlen. aber daran liegt es nicht, dass hemingway die letzte begeisterung nicht erzeugen kann. im gegenteil. (8/10)





